Maulkorb für Hunde – Schluss mit den Vorurteilen!

Veröffentlicht am:

Autor: Ines Blumenstein
» Keine Kommentare
maulkorb für hunde runners-dog

Da wir Menschen momentan zu Corona-Zeiten auch draußen einen Maulkorb tragen müssen, wollen wir uns heute mal etwas genauer mit den Exemplaren für Hunde beschäftigen und schauen, was alles dahinterstecken kann. Welche Vorschriften und auch Pros & Contras gibt es bei Maulkörbe für Hunde? Wir klären auf.

Ein Maulkorb für Hunde ist nichts schlimmes!

Zunächst einmal ist der Hundemaulkorb rational betrachtet in erster Linie ein Hilfsmittel für den Hundehalter / Hund und nichts Schlimmes oder gar etwas, wovor man Angst haben müsste. Auch ist die abfällige Verwendung des Wortes Beißkorb hier nicht angebracht.

Wenn du einen Hund mit Maulkorb siehst, kann es dafür viele gute Gründe geben warum er einen Maulkorb tragen muss. Es muss auch nicht gleich heißen, dass er bissig ist. Gründe dafür könnten z.B. sein:

  • Der Hund frisst alles was ihm vor die Nase kommt
  • Der Hund hat eine Verletzung im Mund und darf daher nichts aufnehmen
  • Der Hund hat einen ausgeprägten Jagdtrieb
  • Der Hund ist unverträglich mit Artgenossen
  • Der Hund hat schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht

Und es ist sicherlich immer besser einen Maulkorb zu tragen, wenn es nicht ganz so notwendig ist, als darauf zu verzichten, obwohl es eigentlich notwendig wäre, nicht wahr? Du siehst, das gute Hilfsmittel gibt hier nicht nur Sicherheit, sondern auch Freiheit! Damit kann die Reaktion des Hundes in bestimmten Situationen gefahrlos getestet werden.

Aber schauen wir uns mal die Gesetzeslage zu Maulkörben an:

Gibt es eine Maulkorbpflicht?

Zunächst einmal gibt es in Deutschland keine allgemeinen Regeln zur Maulkorbpflicht. Diese variieren von Bundesland zu Bundesland sehr stark, mitunter sogar von Ort zu Ort, denn diese Regelungen zur sind Gemeindesache – gleiches gilt übrigens auch für die Leinenpflicht. Verstöße können mitunter sehr teuer werden, die Bußgelder variieren aber auch hier von Bundesland zu Bundesland sehr stark. Hier findest du den aktuellen Bußgeldkatalog.

Natürlich kann es auch sein, dass der Hund einen Maulkorb tragen muss, weil er vielleicht zuvor bereits „aufgefallen“ ist. Dazu muss noch nicht mal viel passiert sein. Oft reicht schon eine Anzeige bei der Polizei, begründet oder nicht sei mal dahingestellt, dass der Hund einen Maulkorb tragen muss.

Wenn du mit deinem Hund ins europäische Ausland reist, musst du ggf. auch dort die jeweiligen Regelungen zur Maulkorbpflicht überprüfen oder am besten einfach immer einen Maulkorb oder zumindest eine Maulschlaufe dabeihaben!

Was jedoch fast überall gleich ist, ist die generelle Maulkorbpflicht für Listenhunde. Hunderassen sind z.B. Rottweiler, Pitbull Terrier oder Staffordshire Terrier. Ebenfalls einheitlich ist die Maulkorbpflicht in den Zügen der Deutschen Bahn. Ausnahmen gibt es nur für Hunde in Transportboxen. Da die meisten Hunde aber viel zu groß für eine Transportbox sind, sind wir wieder mein Thema Maulkörbe.

Weitere Ausnahmen für Maulkörbe gelten für Assistenz-, Blindenführ– und Rettungshunde, diese haben eine spezielle Ausbildung, sind also somit gut erzogen und geprüft. 😉

rottweiler-mit-maulkorb

Maulkorb – Pro und Contra

Wie zuvor schon erwähnt, gibt es durchaus gute Gründe dafür, dass ein Hund einen Maulkorb tragen muss:

Pro Maulkorb:

  • Sicherheit in schwierigen Situationen
    Hierunter fällt z.B. auch wenn jemand den Hund versehentlich tritt, damit es nicht zu einer Eskalation der Situation kommt .
  • Verhindert die Aufnahme von Giftködern und anderen Stoffen
    Du kannst ganz beruhigt sein, wenn dein Hund mit Maulkorb überall schnüffelt, denn fressen wird dein Liebling nichts.
  • Sicherheit für den Halter
    Durch das Tragen des Maulkorbs ist auch der Halter nicht mehr so angespannt.
  • Sicherheit beim Tierarzt
    Wenn der Hund Angst vor dem Besuch beim Tierarzt hat, ist es für beide Seiten sicherer mit Maulkorb.

Contra Maulkorb:

  • Vorurteile von anderen Spaziergängern / Hundebesitzern
    Es könnte vorkommen, dass andere Hundebesitzer deinen Hund nicht mit ihren spielen lassen und lieber schnell weitergehen.
  • Interagieren mit anderen Hunden
    Das gegenseitige Beschnuppern kann durch den Maulkorb erschwert werden.
  • Keine Verteidigungsmöglichkeit bei Angriff
    Sollte dein Hund beim Gassigehen tatsächlich von einem anderen attackiert werden, hat er keine Möglichkeit zur Verteidigung, außer weglaufen.

Hier solltest du also immer abwägen, ob die Situation einen Hundemaulkorb erfordert oder ob auch darauf verzichtet werden kann.

So ermittelst du die richtige Maulkorbgröße

Wichtig ist in erster Linie, dass der Maulkorb für Hunde richtig bei deinem Liebling sitzt und dafür muss zunächst u.a. die Länge der Schnauze korrekt ausgemessen werden. Dafür sollte an 6 Stellen das Maßband angesetzt werden:

  1. Der Abstand zwischen Nasenspitze und Augenlinie
  2. Der Umfang der Schnauze, am besten ab 2,5 cm unter der Augenlinie (mit geschlossenem Maul)
  3. Der Abstand von Augenlinie bis zum Ohrenansatz
  4. Der Halsumfang hinter den Ohren
  5. Die Schnauze an der breitesten Stelle
  6. Die Höhe der Schnauze bei leicht geöffnetem Maul

Damit hast du die notwendigen Daten, die du beim Kauf des Maulkorbes auf der jeweiligen Bestellseite einfügen oder mit den Maßen von vorhandenen Angeboten vergleichen kannst. Am besten wäre natürlich ein Mitarbeiter eines Fachgeschäftes, der Erfahrung mit Maulkörben hat und den für deinen Hund passenden auswählen kann.

Diese Materialien gibt es bei Maulkörben

Wenn man sich auf den jeweiligen Bestellseiten für Maulkörbe umschaut, gibt es eine fast unüberschaubare Vielfalt an Produkten. Hier hat der Hundehalter buchstäblich die Qual der Wahl. Soll der Artikel aus Plastik, Kunststoff, Nylon, Leder, Metall oder aus Draht sein? Als Schlaufe oder Gitter (Korb)? Oder eine „witzige“ Version mit blutunterlaufenen Zähnen oder Entenschnabel?

hund-mit-orangenem-maulkorb

Maulschlaufen

Dazu können wir sagen, dass Maulschlaufen generell nicht zu empfehlen sind! Der Hund kann damit nicht mehr Hecheln, was sehr gefährlich werden kann, da Hunde darüber ihre Körpertemperatur steuern. Zudem bieten Maulschlaufen keinen ausreichenden Schutz vor Giftköderaufnahme und auch Trinken ist hiermit nicht möglich. Maulschlaufen verhindern ebenfalls keine Beißprävention. Sie sind lediglich für kurze Strecken mit dem Hund geeignet, z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln.

„Lustige“ Maulkörbe

Von „scherzhaften“ Maulkörben für Hunde ist ebenfalls abzuraten, da sie in der Regel eine schlechtere Passform haben und sowohl Hundehalter als auch Tiere abschrecken und zu unschönen Situationen führen können. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei eher um Scherzartikel ohne Nutzen handelt.

Maulkorb aus Plastik

Artikel aus Plastik eignen sich gut für z.B. den Tierarztbesuch, Fahrten mit der Bahn u.ä. Solange sie gut sitzen, spricht nichts dagegen. Sie sind in der Regel beißsicher, einfach anzubringen, leicht zu reinigen und Trinken und Leckerli geben ist ebenfalls möglich, da der Hund noch kauen kann. Ein Nachteil ist, dass sie selten an den Hund angepasst werden können und mitunter keinen hohen Tragekomfort haben.

Maulkorb aus Biothane

Es gibt auch Maulkörbe aus Biothane (Kunststoff), das ist ein Strukturgewebe mit Kunststoffmantel. Diese können auch bunt daherkommen und maßgeschneidert werden. Sie sind ebenfalls leicht zu reinigen und wenn sie gut auf den Hund angepasst werden, angenehm zu tragen. 100%ig beißsicher sind sie allerdings auch nicht immer.

Ledermaulkorb

Ledermaulkörbe (oder Nylon) eignen sich auch für nahezu jedes Einsatzgebiet. Sie sind leicht, durch das weiche Leder Material angenehm für den Hund zu tragen, durch den vorhandenen Stirnriemen auch sicher. Hecheln, Trinken und kauen ist ebenfalls möglich! Als Giftköderprävention taugen sie indes nur bedingt und man sollte nach einiger Zeit auch das Material prüfen, da es ohne Pflege schnell brüchig werden kann!

Maulkorb aus Draht

Der Klassiker für Hunde ist der Maulkorb aus Draht. Diese sind auf jeden Fall beißsicher und auch für einen längeren Einsatz geeignet. Gut angepasst und mit gepolstertem Nasenbügel können sie lange und dauerhaft getragen werden. Sie bieten dem Hund genug Platz zum Hecheln, kauen und können auch vor Giftköderaufnahme schützen.

Bitte beim Anpassen immer darauf achten, dass der Maulkorb komplett auf der Schnauze aufliegt und auch noch genügend Platz für das Öffnen des Mundes zum Hecheln übrigbleibt – wir wollen ja nicht, dass unser Hund hyperventiliert. Darüber hinaus darf der Maulkorb nicht zu eng sitzen und nichts abdrücken – es sollte also sichergestellt sein, dass die Luft immer frei zirkulieren kann.

Freilich kannst du dich auch in einem Fachgeschäft umfassend beraten und das Ausmessen vor Ort vornehmen lassen. Diese kennen sich im besten Fall perfekt mit Maulkörben für Hunde aus.

labrador-mit-maulkorb

So gewöhnst du deinen Hund an einen Maulkorb

Vorab ist wichtig zu wissen, dass der Maulkorb niemals vor einer unangenehmen Situation für den Hund angezogen werden darf, ebenso wenig sollte der Maulkorb abgenommen werden, wenn der Hund versucht, ihn abzustreifen. Und auf gar keinen Fall sollte der Maulkorb als Strafe oder Zwang aufgesetzt werden.

Für die Gewöhnung gehst du am besten langsam und Schritt für Schritt vor:

  1. Der Hund sollte sich erst einmal mit dem neuen Teil bekannt machen, daran schnüffeln und dann ein Leckerli bekommen. Dann kann noch ein Leckerli in den Maulkorb gelegt werden und der Hund kann es sich einfach nehmen und die Schnauze darin eintauchen.
  2. Lobe deinen Hund, wenn die Schnauze im Maulkorb bleibt und wenn er ca. 10 Sekunden darin bleibt, schließe ihn und mache ihn gleich wieder auf. Dann gibt’s wieder ein Leckerli.
  3. Das Ganze kann dann immer wieder wiederholt werden, bis es keine Reaktion mehr auf das Schließen des Maulkorbes gibt. Die Zeit mit geschlossenem Maulkorb kann dann nach und nach verlängert werden und zwischendurch gibt´s immer wieder Leckerlis.
  4. Jetzt kannst du auch schon draußen mit dem Maulkorb üben und dabei die Tragezeit nach und nach erhöhen. Loben und Leckerlis zwischendurch erhöhen die Akzeptanz des Maulkorbes als etwas Positives.

Der Maulkorb von Zoe

Für Zoe haben für einen Maulkorb besorgt, den wir bei Fahrten mit der Bahn immer dabei haben. Die Gewöhnungsprozedur haben wir schon eingeübt, besonders zugetan ist sie dem Teil aber immer noch nicht und man merkt, dass sie es zwar über sich ergehen lässt, es aber nicht so knorke findet. 

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass er sehr selten zum Einsatz kommt. Bei weiteren Strecken sitzt sie meist im Auto und bei kürzeren Ausflügen nehmen wir die U-Bahn oder S-Bahn wo keine Maulkorbpflicht herrscht. Hier müssen wir uns also selbst ermahnen, sie ab und zu wieder damit zu konfrontieren, zumal uns das auch bei ihrem aktuellen aggressiven Verhalten helfen kann.

Unsere Empfehlung: (WERBUNG)
[atkp template=’bestseller‘ ids=’8874′][/atkp]

Abschließendes Fazit

Also, wenn du das nächste Mal Hunden mit Maulkorb siehst, statt mit Angst oder Mitleid zu reagieren, einfach mal ein anerkennendes Lächeln schenken oder auch interessiert fragen, warum der Hund einen Maulkorb trägt. Wenn du die Hintergründe und die Geschichte dahinter kennst, merkst du vielleicht, dass da doch ein kleines Engelchen an der Leine ist. 😉

Author dieses Artikels:
Ines Blumenstein
Ich bin eine Leseratte mit einer Vorliebe für alles, was Fell hat, Fotografie und Bildbearbeitung, Natur und Wandern, Yoga und Netflixen. Außerdem verreise ich für mein Leben gern und würde am liebsten auch Zoe überall mit hinschleppen. ;)
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments