Woran man eine Scheinträchtigkeit beim Hund erkennt

Nachdem Zoe jetzt mittlerweile seit etwas mehr als zwei Wochen mit einer Scheinträchtigkeit zu kämpfen hat, habe ich mich mal etwas schlau gemacht was das eigentlich genau Scheinträchtigkeit beim Hund bedeutet. Für uns ist diese Situation komplett neu und ich dachte schon die erste Läufigkeit wäre anstrengend. Weit gefehlt! Zoe verweigert ihr Futter bzw. eine Fütterung entwickelt sich zum absoluten Geduldsspiel. Doch was kann man dagegen tun? Kastration? Oder sollte man einfach abwarten und das Verhalten der Hündin akzeptieren/tolerieren?

Was passiert während einer Scheinträchtigkeit beim Hund?

Mit dem Thema der Scheinträchtigkeit (oder auch Scheinschwangerschaft) bei Hündinnen habe ich mich bis jetzt überhaupt nicht wirklich beschäftigt. Vor Zoe hatte ich eine Katze und soweit ich mich erinnern kann, hatte diese nie solche Symptome. Zumindest ist es mir nicht bewusst aufgefallen. Zoe ist meine erste Hündin, von daher habe ich noch viel zu lernen. Schaut man bei Wikipedia nach dem Begriff, erhält man folgende Information: 

Als Scheinträchtigkeit – auch Lactatio sine graviditate, Pseudogravidität oder Lactatio falsa – wird eine hormonell bedingte Veränderung in der Milchdrüse weiblicher Hunde bezeichnet, die manchmal auch von Verhaltensänderungen begleitet ist. Scheinträchtigkeit tritt häufig bei Hunden und seltener bei Katzen auf.

Die Scheinträchtigkeit kann bei nicht trächtigen weiblichen Hündinnen einige Wochen nach der Läufigkeit am Ende des Diöstrus auftreten und äußert sich durch Hyperplasie der Milchdrüsen und Produktion von Milch (Laktation). Manchmal treten zusätzlich Änderungen am Verhalten auf: Manche scheinträchtigen Hündinnen können sich benehmen, als ob sie Welpen geworfen hätten, bauen Nester, verschleppen Spielzeug und andere Objekte und behandeln diese wie Welpen.

Zur Scheinträchtigkeit bei einer Hündin kommt es ca. drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit, sofern die Hündin noch nicht vom Tierarzt kastriert oder sterilisiert wurde. Die Hormonlage nach der Läufigkeit verändert sich so, als ob die Hündin trächtig wäre, auch wenn sie nicht „gedeckt“ wurde. Dies ist ein ganz normaler Prozess und hängt mit dem komplizierten Hormonzyklus der Hündinnen zusammen. Gegen Ende der Läufigkeit produziert der Körper weniger Progesteron, wodurch die Prolaktin-Konzentration im Blut steigt. Das Drüsengewebe des Gesäuges wächst und regt zudem die Milchbildung an. Nicht jede Hündin wird scheinträchtig. Dies hängt unter anderem davon ab, wie steil der Progesteron-Spiegel der Hündin abfällt und entsprechend die Wahrscheinlichkeit einer Scheinträchtigkeit steigt.

An welchen Symptomen kann man die Scheinträchtigkeit beim Hund erkennen?

Die Scheinträchtigkeit kann Auswirkungen auf die Psyche der Hündin haben. Ihr Verhalten ändert sich, sie beginnt Nester (im eigenen Körbchen oder in einer Ecke) zu bauen und hortet darin sämtliches Spielzeug. Manchmal auch Hausschuhe und andere Dinge. Dieses Spielzeug verteidigt sie und behandelt es wie ihre Welpen. Die Hündin kann in der Zeit extrem anlehnungsbedürftig und verschmust werden.  Manche werden sogar aggressiv und schnappen nach ihrem Besitzer. Andere werden depressiv.

Auch körperlich verändert sich die Hündin. Die Milchdrüsen schwellen an und die Milchbildung wird angeregt. In manchen Fällen kann sogar Milch austreten. Meistens geht die Schwellung nach einigen Wochen von selbst zurück, und das Gesäuge verkleinert sich wieder. Auch kann es mitunter bei Hündinnen zu Appetitlosigkeit bis hin zur kompletten Futterverweigerung kommen.

Die Symptome können 10 bis 30 Tage anhalten. Weitere Anzeichen kann der Tierarzt mit Hilfe eines Ultraschalls oder Röntgen feststellen.

Scheinträchtigkeit beim Hund

Auswirkungen bei Zoe – Unser Erfahrungsbericht

Vor knapp zwei Wochen fing Zoe an das Nassfutter zu verweigern. Von heute auf morgen, ohne einen für mich ersichtlichen Grund. Sie ist seit dem ersten Tag ein absoluter Vielfraß! Gibt es etwas zu Essen, ist sie sofort da und selbst nach verschlingen einer 400g Dose, schaut sie einen an als wenn sie eine Woche lange nichts bekommen hätte. 😉 Deshalb hat mich ihre plötzliche Futterverweigerung auch so überrascht. Die Vorfreude bei dem Wort „Leckerchen“ war wie immer riesen groß. Sah Zoe allerdings ihren Futternapf, machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte fluchtartig aus der Küche, wie der Teufel vor dem Weihwasser. Gelegentlich klappte es noch, Zoe mit einem Löffel zu „füttern“. Ein Häppchen für Mama, ein Häppchen für Zoe…

Nach zwei weiteren Tagen ohne oder nur geringer Futteraufnahme, rief ich die Tierärztin an. Bei Zoe bedeutet eine Verweigerung des Nassfutters auch gleichzeitig eine Verweigerung von Wasser, denn dies war mit die einzige Möglichkeit, dass sie auch mal etwas getrunken hat. Also blieb mir nichts anderes übrig als unsere Tierärztin zu rufen. Diese stellte auch relativ schnell fest, dass Zoe an einer Scheinträchtigkeit leidet. Der Zeitraum passt auch, denn sie war Mitte bis Ende Januar Läufig. Die Empfehlung der Tierärztin lautete Reis und und Hühnchen kochen, Gemüse dazu, hoffen das Zoe frisst und abwarten.

Dies hat die nachfolgenden zwei Tage auch super geklappt. Danach wieder das gleiche Spiel wie vorher: Wegrennen sobald sie ihren Fressnapf sieht, der befüllt werden soll. An die Fütterung von Nassfutter war nun nicht mehr zu denken. Fast alle geöffneten Dosen wurden verschmäht und landeten schlussendlich im Müll. Und dabei fraß sie diese Dosen so gerne! Es musste eine neue Lösung her. Diese bestand aus Trockenfutter, welches Zoe auch einen Tag lang recht gut gefressen hat. Danach gleiche Spiel wie beim Nassfutter. Das mysteriöse an der ganzen Geschichte ist, wie Zoe in den letzten Tagen gefressen hat (wenn wir mal das Glück hatten, das es dazu kam).

  • Nassfutter – Geh mir bloß weg damit!
  • Trockenfutter – Ja bitte, aber immer auf unterschiedliche Weise!
  • Snacks – Her damit, ich habe Kohldampf!

Würde man mich bei Trockenfutter geben filmen, so wäre das wahrscheinlich ein toller Spaß für die Zuschauer. Erst fressen aus einer „neutralen“ Schüssel auf dem Boden, anschließend Verweigerung. Fressen aus einer der Schüssel in den Händen haltend, anschließend Verweigerung. Danach fressen aus der Hand, anschließend Verweigerung. Fressen vom Boden, anschließend Verweigerung. Wenigstens hat Zoe so ein wenig zu sich genommen. Weitere Probleme gibt es eigentlich keine. Sie hortet keine Spielsachen und benimmt sich auch sonst eigentlich ganz normal. Draußen schnüffelt Zoe mehr als sonst (nach Rüden?), das ist aber nicht weiter schlimm.

Was kann man tun?

Vom Nestbautrieb kann man die scheinträchtige Hündin ablenken, indem man ihr die Spielsachen sofort wegnimmt. Auch viel spazieren gehen kann ablenken. Zudem sollte man die Hündin davon abhalten, an ihrem Gesäuge zu lecken, da dies die Milchbildung anregt. Hier besteht die Möglichkeit ihr einen Halskragen anzulegen. Allerdings sollte dies nur im äußersten Notfall geschehen, da es eine zusätzliche Belastung für die Hündin darstellt. Eine verminderte Lebhaftigkeit ist ebenfalls ganz normal und sollte akzeptiert werden. Möchte die Hündin ihre Ruhe, so sollte man ihr diese auch gewähren.

Anders sieht es aus, wenn die Hündin tatsächlich ausgeprägt apathisch oder aggressiv wird und zu einem ernst zu nehmenden Risikofaktor wird. Treten diese Symptome auf, kann dem mit beruhigenden Medikamenten entgegengewirkt werden. Zeitgleich kann ein Präparat gegeben werden, das die Produktion des Hormons Prolaktin hemmt. Natürlich alles in Absprache und unter Aufsicht von einem Tierarzt. Bei wiederkehrender ausgeprägter Scheinträchtigkeit sollte vielleicht auch über eine Kastration nachgedacht werden.

Ansonsten kann man leider nur abwarten und hoffen, dass bei der eigenen Hündin diese Phase nicht die vollen 30 Tage andauert. Bei Zoe habe ich gerade das Gefühl, dass sie die komplette Zeit ausreizen wird. Aber da müssen wir wohl alle durch! Hunde stellen einen immer wieder vor neue Herausforderungen. 😉

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6 Comments

  1. Hallo Sandra, genau dasselbe fressverhalten hat unsere 1 jährige Bernersennen Hündin auch gerade. Aber ganz genauso. Hat es sich dann bei euch tatsächlich normalisiert ? LG Isabel

  2. Hallo Sandra,
    herzlichen Dank für deinen Bericht. Ich habe das gleiche Problem mit unserer Hündin und hoffe jetzt darauf, dass es vorbei geht. Hätte dann nur noch 10 Tage abzuwarten.

    1. Erst einmal sorry für die verspätete Antwort! Ich habe sowohl körperlich als auch mental erst einmal eine Pause gebaucht…
      Die erste Scheinträchtigkeit ist wirklich nicht einfach und mitunter fühlt man sich auch ein wenig eingelassen bzw. weiß gar nicht was grad mit dem eigenen Hund passiert. Aus dem Grund war es mir wichtig von unseren Erfahrungen zu berichten.
      Seiten auf denen die Scheinträchtigkeit beim Hund erklärt wird, gibt es genügend, aber kaum welche wo mal persönliche Erfahrungen mit einfließen. Genau das ist der Grund warum ich diesen Blog ins Leben gerufen habe. 🙂
      Ich hoffe bei deiner Hündin ist auch wieder alles ok soweit und sie hat die Scheinträchtigkeit gut überstanden?

    2. Bei unserer Holly trifft genau das zu, was Du über Deine Zoy geschrieben hast. Aber wirklich, genau so. Meine Holly ist drei geworden und hat nun schon zum dritten Mal das Problem mit dem Nicht fressen.
      Sie rennt auch weg, versteckt sich, wenn ich die Näpfe fertig mache. Generell frisst sie nur vom Brettchen. Von jeher.
      Mein Labrador Benchy hat hingegen guten Appetit und isst prima.
      Nun mache ich mir erst mal nicht mehr so grosse Sorgen. Vielen Dank.
      Liebe Grüße Karin.

    3. Hallo!
      Unsere Yuko ist im März das erste Mal läufig gewesen, im Mai wurde sie kastriert. Tags darauf sind die Zitzen angeschwollen und noch einen Tag später floss die Milch!
      Fressen eingestellt. Nur ein paar Leckerlis werden genascht. Sie trinkt sehr wenig Wasser. Wenn sie nicht geraden winselt und Netz baut, dann schläft sie.
      Normalerweise ist sie praktisch nicht müde zu bekommen. Terriermischling.
      Der Tierarzt sagt, das hat nichts mit der Operation zu tun. Es waren schon zuvor die Hormone im Blut, die jetzt die Scheinträchtigkeit ausgelöst haben. Ich hoff, sie übersteht das. Ich mach mir schon Sorgen!

  3. Haben dasselbe Problem mit unserer 1,5 jährigen Hündin Ayla. Allerdings kommen bei uns Fieber (39 Grad) und eine Gebärmutterentzündung mit ins Spiel. Hund frisst auch nur leckerlies oder mal was ausser der Reihe wie Leberwurst, etc. aber nicht Ihr Trocken,- und Nassfutter. Die Ärztin rät jetzt schon zur OP/Kastration. Ich habe natürlich Sorge, dass es für Sie nicht gut ist. Allerdings möchte ich auch nicht, dass Sie in ein paar Jahren voll ist mit Geschwüren und Tumoren die daraus resultieren. Habe keine Ahnung was man jetzt machen soll.

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